Grausamkeit gegen Tiere ist eines der kennzeichnendsten Laster eines niederen und unedlen Volkes.

Alexander von Humboldt



Nachtigall (*2006)


Warum landet ein Pferd im besten Alter mit guter Abstammung auf einem Gnadenhof? Nachtigalls Geschichte steht sicherlich nur beispielhaft für eine Vielzahl potentieller Sportpferde: jung angeritten, schnell angeritten und damit meist überfordert mit den ihnen gestellten Aufgaben.

Nachtigall ist 5-jährig das erste Mal verkauft worden. Zu der Zeit war sie bereits als Vielseitigkeitspferd angeritten - sie war für den Sport vorgesehen. Mit 8 Jahren hat sie ihre Vorbesitzerin, abgemagert, tragend und verstört, aus einer sehr schlechten Haltung für ihren Mann gekauft. Was ihr in der Zwischenzeit zugestoßen ist, weiß keiner. Zugesetzt hat ihr die Zeit, vielleicht auch ein zu frühes Anreiten aber auf jeden Fall, denn unter dem Sattel ist sie keineswegs einfach. Sie braucht viel Ruhe und Vertrauen in ihren Menschen; dann ist sei sehr gutes, intelligentes, lernwilliges Pferd mit tollen Bewegungen. Ihre jetzige Besitzerin hat sich entschieden, ihr außerdem die Stabilität einer echten Herde zu geben und ihre eigene Gelassenheit durch naturnahe Haltung zu finden. Die Dankbarkeit dafür zeigte Nachti promt. Sie hat sich extrem schnell bei uns eingefunden.


***Bild folgt***



Arlett (*1995)



 

Zu Arlett gibt es eigentlich nur zu erzählen: Sie hatte bisher ein gutes Leben und wird bei uns einen wunderschönes Rentner-Dasein haben!

Von der Fohlenkoppel von ihrem aktuellen und einzigen Besitzer gekauft, ist Arlett bis heute ein zuverlässiges Wanderreitpferd mit teils arabischem Blut. Beginnende Arthose zwang sie und ihren Reiter zu einer Pause von 1 1/2 Jahren. Deswegen war die Entscheidung, sie von der Box in einen Offenstall zu stellen absolut richtig. Mit den durch Offenstallhaltung automatisch deutlich besser geschmierten Gelenken geht es nun - trotz vorgeschrittenem Alters - ab und an wieder ins Gelände. Die restliche Zeit genießt sie mit den anderen im Herdenverband.



Peppy (*2013)



Peppy ist ein ganz besonderes Pferd - er ist blind und beweist, dass dies noch lange kein Grund ist, ein Pferd aufzugeben. Es ist ist nie leicht, ein neues Pferd in eine bestehende Herde zu intergrieren. Ein blindes Pferd zu integrieren, ist allerdings eine riesige Herausforderung und die Wahrscheinlichkeit, dass es gar nicht funktioniert, ist groß. Peppy sieht die Warnzeichen und Drohgebärden der anderen Pferde nicht, die ihm eigentlich sagen würden, was er als Neuer zu tun oder zu lassen hat. Gleichzeitig sieht er die Fluchtwege nicht, wenn es zu einem Gerangel kommt. Aber Peppy hat es irgendwie geschafft und gehörte schnell zur Herde!

Leider bedeutet die Weidesaison bei uns: jede Woche eine neue Koppel. Das ist zwar gut für die Koppeln, aber schlecht für ein blindes Pferd, dass eine gewisse Stabilität  braucht. Nicht zu wissen, wo die Herde hingeht, ist purer Stress. Also mussten wir uns leider entscheiden, ihn aus der Herde herauszunehmen. Er steht aber nicht allein, hat aber eine Box und ein Paddock für sich - seine eigenen 4 Wände, die er bald in und auswendig kennt.



Mary (*2004)



Die hübsche Friesendame Mary brachte das Schicksal zu uns. Ihr Pferdekumpel und Sohn ist in sehr jungem Alter gestorben. Damit sie nicht allein sein muss, brachte ihr Frauchen Mary zu uns.

Mary muss in jungen Jahren schon einiges durchgemacht haben. Sie wurde wahrscheinlich viel zu früh als Zuchtstute eingesetzt. Bei einem Verladeunfall zog sie sich hochtragend einen Kreuzbeinbruch zu. Noch heute läuft sie erkennbar staksig.


 


Dunja (*1996)




Dunja hat viele Jahre Schülern das Reiten beigebracht. Das ist harte Arbeit, erfordert vo Pferd viel Geduld und das ein oder andere Mal auch das Aushalten von Schmerzen. Dunja war nach den vielen Jahren ausgemergelt. Umso schöner ist es, dass sich Menschen finden, die sich solcher treuen und stummen Diener annehmen und ihnen ein echtes Rentnerleben mit viel Licht, Luft, Wiese und Pferdegesellschaft gönnen.





Natron (ca. 1995-2017)




Natron, eins von 24 Pferden, die einem verurteilten Tierquäler weggenommen wurden. 23 Pferde konnten durch die Staatsanwaltschaft vermittelt werden. Ein sehr dünner Hengst im fortgeschrittenen Alter mit einem Herzfehler findet jedoch so schnell kein neues Zuhause. Deshalb wurden wir kontaktiert. Nach einem Besuch bei ihm und einem Gespräch mit dem Tierarzt, ob eine Kastration in Betracht kommt, haben wir nicht lange überlegen müssen. Mitte 2016 zog Natron bei uns ein und wollte schnell nicht mehr ohne seine Herde sein.

Leider war ihm ein richtiges Pferdeleben mit Artgenossen und viel Futter, Luft, Licht und Sonne nicht lange vergönnt. Die über viele Jahre mangelnde Ernährung hatte seinen Stoffwechsel unwiderbringlich zerstört. Anfang 2017 wurde Natron nach tagelanger Behandung in der Tierklinik euthanasiert.



Calli (*2004)



Ein Spanier, der dem Bundesland Hamburg treue Dienste leistete und nun in Frührente geschickt wurde. Calvaro - von uns Calli genannt, denn ein kleiner Lausbub ist er - war bis 2014 als Polizeipferd tätig und beruhigte 1.-Mai- und Castor-Demonstranten sowie Fussballfans. Leider musste er im Alter von nur 10 Jahren pensioniert werden, da er aufgrund einer vorschnellen Abnutzung im Hufgelenk der Arbeitsbelastung nicht mehr länger standhielt. Nach fast einem Jahr bei uns sieht man ihm sein Leiden schon kaum noch an; dafür frisst er sehr gern und nascht den Fressnachbarn schon einmal etwas weg. Das war für seine sportlichen Figur, die er zu Dienstzeiten hatte, leider abträglich, was ihn wenig zu stören scheint.



Bouke (1992-2016)



Er war eine imposante Erscheinung, unser Friesenwallach Bouke! Bouke, ein niederländischer Name, durfte seine letzten 2 1/2 Jahre bei uns im Offenstall verbringen. Früher hat er gedeckt, aber bei uns hat er die Mädels nie "angerührt". Er war der Ruhepol und Friedensstifter in der Gruppe und damit ein wichtiges Mitglied in der Herde. Aber auch zu den Menschen war er so unendlich lieb. Er muss ein riesiges Herz gehabt haben... Bouke wird uns als der sanfte Riese ewig in Erinnerung bleiben!

(Foto: Alexandra Prodöhl)



Mona (*ca. 1990)




Seit Januar 2014 ist Mona bei uns. Sie trotzt seit vielen Jahren dem Hufkrebs, im Winter 2014/2015 wurde noch Cushing diagnostiziert. Monas Hufe müssen möglichst trocken bleiben. Da Mona aufgrund der Erkrankung auch nur sehr wenig frisches Gras verträgt, haben wir ihr - damit sie nicht ganz allein ist - und Dorle einen Paddock an- und mit Paddockplatten trocken gelegt. So können sie beiden bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit frische Luft und Licht genießen.
Mona geht es dank der Eisen, die ihre durch den Krebs verformten Hufe in Form halten, und der Cushing-Medikamente gut und sie genießt ihre Rentnerjahre zusammen mit ihrer Freundin Dorle.
(Fotos mit und ohne Cushing-Symptome)



Dorle (*ca. 1988)




Dorle ist ein Erbfall. Sie stand eine ungewisse Zeit nach dem Tod ihres Herrchens ohne fachgerechte Versorgung in einem kleinen Auslauf auf einem Hof. Die Erben des Verstorbenen nahmen ihre Verantwortung sehr ernst und riefen uns Ende 2013 an. Wir fanden Dorle leicht unterernährt, aber vor allem mit seit vielen Jahren nicht geschnittenen Hufen.
Dorle wurde wohl dort ihr Leben lang allein gehalten. Dementsprechend problematisch war der erste Kontakt mit Artgenossen. Außerdem sieht Dorle sehr  schlecht. So kann sie die feine Kommunikation der anderen Pferde nicht wahrnehmen. Eine Eingliederung in die Herde schien aussichtslos.
Zum Glück kündigte sich kurz darauf Mona an, die aufgrund ihrer Erkrankung auf keinen Fall mit der Herde auf die Koppel darf. So haben wir Dorle und Mona vorsichtig zusammengebracht UND es funktioniert sehr gut. Mona ist wie ein Blindenhund für Dorle geworden. Auch Dorles Hufe sind wieder in gutem Zustand - ein großes Dankeschön an unseren Schmied! Sie hat keine Fehlstellung davon getragen und lebt nun in hohem Alter sehr glücklich mit einem Kumpel zusammen.



Gipsy/Schätzchen (ca. 1989-2017)



Offiziell (laut Equidenpass) "Gipsy", von ihrer Halterin aber "Schätzchen" genannt und von uns auch liebevoll "Rippchen". Schätzchen (im Bild rechts) war ein Vollblüter. Ihre Halterin gönnte ihr schöne letzte Jahre in einer Herde auf der Wiese. Gipsy hat viele Jahre gekoppt. Dadurch waren ihre oberen Schneidezähne bis auf das Zahnfleisch abgeschliffen. Beim Grasen blieb so ab und zu ein Kleeblatt in den vorderen Zähnen hängen und gucke aus der Schnute. Das war unglaublich süß! Schätzchen war sehr schwerfuttrig; wir haben stets um jedes Gramm gekämpft. Hier bei uns hatte sie noch richtige Pferdefreunde gefunden, insbesondere in dem schwarzen Sanftmut Bouke hatte sie einen tollen Kumpel und Beschützer gefunden. Das zierliche, aber durchsetzungsstarke Mädchen wurde ungefähr 28 Jahre alt (oder älter!).



Alex (1984-2017)



Alex, ein Hannoveraner, war ebenfalls ein Einsteller. Sein Halter brachte ihn im Alter von 28 Jahren zu uns. Nach einiger Zeit in einer Ponyherde, die ihn weder an Futter noch an Wasser gelassen haben, kam er abgemagert bei uns an. Selbst wir hätten nicht gedacht, dass sich der alte Herr noch einmal so gut erholt. Auch der chronische Husten machte Alex bei der vielen frischen Luft nicht mehr zu schaffen. Nach und nach verlor er alle Zähne. Aber auch damit kann unser rüstiger Rentner zurecht. Alex ist stolze 33 Jahre als geworden!




Susann (*1993)



Nr. 4, Susann, kam im Jahr 2011 als erster Einsteller. Sie wurde in der Zucht eingesetzt, ist nun eine reife Dame, aber noch topfit.







Grit (*2000)



Ende April 2010 haben wir Grit aufgenommen. Grit kommt aus sehr artwidrigen Umständen. Bevor das Veterinäramt allerdings den letzten Schritt, alle Tiere zu beschlagnahmen, vornehmen musste, war der Eigentümer einsichtig und brachte seine Tiere auf einen Reiterhof. Er musste später leider in ein Pflegeheim. Der Betreuer versuchte, die Tiere zu vermittlen. Bis auf Grit haben alle ein neues Zuhause gefunden. Für Grit war die Suche jedoch aussichtslos, da sie wegen eines Sehnenschadens nicht mehr arbeiten oder geritten werden kann. Der Schaden ist leider irreparabel. Aber ihren unersättlichen Appetit hat sie bis heute nicht verloren.



Dagina (*2002)



Dagina ist eine ehemalige Zuchtstute. Aufgrund langer Lahmheit gab es für den Züchter nur die eine ökonomische Lösung: Schlachter. Zu Daginas Glück haben sich 2 Paten gefunden, sodass sie zusammen mit Siggi als Erste zu uns auf dem Hof kam. Die Lahmheit hat sich schnell nach der Ankunft deutlich gebessert und innerhalb weniger Wochen bis heute komplett gelegt. Wir vermuten, dass die Ursache ein Chip war, der sich inzwischen nichtstörend festgesetzt hat.

 

 


Siggi (1994-2012)



Siggi ist leider am 06. Mai 2012 nach 2 1/2 schönen letzten Jahren bei uns im jungen Alter von 18 Jahren verstorben.

Sie war mehr als 10 Jahre eine sehr gute Zuchtstute, hatte dann aber nicht mehr die Kraft, weitere Fohlen zu bringen. Siggi war einseitig blind; bei einem schweren Koppelunfall erlitt sie einen Nervenschaden, der zur irreparablen Degeneration des Schultermuskels führte und sie unreitbar machte. Für einen Zuchtbetrieb ist in einem solchen Fall die ökonomischste Lösung der Verkauf an den Schlachter. Wir fanden, solch ein Ende hatte sie nach all den Jahren Höchstleistung und Treue nicht verdient, und starteten mit ihr unser Projekt "Gnadenhof" im Herbst 2009.




Weitere Mitbewohner





Wie zu jedem Hof gehören natürlich auch bei uns Katzen zu den Mitbewohnern. Aber auch hier findet sich eine besondere Katze: Unser Dreibein! Dreibein stammt aus Oschersleben. Dort werden die wilden Katzen eingefangen und kastriert. Als Dreibein gefangen wurde, offenbarte sich eine schwere Verletzung des linken Hitnerbeines. Der Tierarzt musste das Bein amputieren. Damit schied es aus, ihn wieder sich selbst zu überlassen. Vom Tierarzt kam er direkt zu uns in den Hundezwinger. Die Wunde verheilte sehr gut und wir konnten ihn schnell aus der Krankenstation entlassen. Dreibein blieb bei uns, wurde weniger scheu und kommt inzwischen prima mit seiner Behinderung zurecht.

Im ersten Jahr wohnte bei uns auch eine Igelfamilie. In dem vielen Gerümpel hauste es sich offenbar vorzüglich. Nun ist allerdings Ordnung auf dem Hof. Ein paar Igelverstecke, insbesondere für den Winter, gibt es trotzdem noch.




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